Von Mark und Märkern

Der Teltow liegt in der Mark! Soweit, so klar. Er liegt auch in der Mittelmarkt, da wundert sich der eine oder andere schon. Und ein Großteil Brandenburgs ist nicht märkisch – das klingt für viele seltsam. Hier also mal eine ganz grundsätzliche Frage:

Wo ist die Mark und wo nicht, wer ist Märker und wer nicht?

Der 1862 geborene Ruppiner Heimatdichter und Lehrer Paul Hirsch beschrieb in seinem Gedicht „Legende: Wie der Märker entstand“,  wie seinerzeit der Heiland und Petrus an Spree und Havel gereist sein sollen, um ein Geschöpf zu erschaffen, das dem Boden dieser Gegend auch Früchte abzuringen imstande wäre. Petrus erschrak vor dem grobschlächtigen Ergebnis, dem Märker,  und wandte sich an den Heiland mit der Bitte, ihn wieder zurückzuverwandeln. Woraufhin es im Gedicht in der letzte Strophe dann heißt:

„Doch milde sprach der Heiland Christ:
„Nein, Peter, – der bleibt, was er ist!
Will er in dem Sumpf und im Sand gedeihn,
dann muss er trutzig und rauhhaarig sein!“
Allzeit ging in Erfüllung das Wort des Herrn:
Der Märker ist grob, – aber brav sein Kern!“

Als Geburtstag Brandenburgs gilt der 11. Juni 1157 an diesem Tage gelang es Albrecht dem Bären, ein Askanier und der erste Markgraf Brandenburgs,  eine vermutlich seit dem Frühjahr 1157 besetzte Burg, die ihm bereits 1150 von seinem kinderlos verstorbenen  Freund und Nachbarn, dem slawischen Fürsten Pribisław-Heinrich vererbt wurde, aus den Händen des Besatzers zurückzugewinnen. Albrecht war somit Herrscher im östlichen Grenzgebiet des Heiligen Römischen Reiches und ein solches Grenzgebiet wurde als Mark bezeichnet; in unserem Falle also die Mark Brandenburg.  „Brandenburg“ nach dem Sitz des weltlichen Herrschers Albrecht auf der Brandenburg an der Havel.

Zu Beginn war die Mark noch recht klein, sie bestand aus der Altmark – grob die zwei nördlichen Landkreise des heutigen Sachsen-Anhalt, Teilen des Havellandes und der Zauche – der nördliche Teil des heutigen Landkreises Potsdam-Mittelmark. Das war es zunächst. Auf dem Rest der Landschaften zwischen Havel und Oder gründeten die Askanier und wettinische, magdeburgische, pommersche sowie piastische Kräfte etliche Orte „um die Wette“  und rangen so um die dauerhafte Errichtung einer Herrschaft für ihre jeweiligen Herren. Auch der eine oder andere, meist recht kurzlebige  Versuch der Etablierung einer eigenständigen, unabhängigen Adelsherrschaft wurde unternommen. Doch nach und nach setzten dich die „Brandenburger“ durch. Brandenburg wurde – nicht zuletzt durch die 1356 in der Goldenen Bulle festgeschrieben Kurfürstenwürde eine feste Größe im Gefüge des Heiligen Römischen Reiches. 1356 herrschten in Brandenburg mittlerweile die Wittelsbacher (ja, die Bayern). Der letzte Wittelsbacher Markgraf Otto V. trug übrigens den schönen Beinamen „der Faule“.

Aber wo liegt nun die Mark?

Wir haben uns heute angewöhnt, „Brandenburger“ und „Märker“ synonym zu verwenden. Aber bei genauerer Betrachtung ist das eigentlich falsch. Nicht jeder Brandenburger ist Märker und darüber hinaus ist heute nicht mal jeder Märker Brandenburger.

Nach der Etablierung der Mark Brandenburg innerhalb des Heiligen Römischen Reiches entwickelten sich 5 historische Landesteile, die uns heute leider kaum bewußt sind, aber uns im Alltag ab und an noch über den Weg laufen und uns dabei auch gern mal einen gedanklichen Streich spielen.

Diese 5 historischen Landesteile sind:


1. Altmark (heute in Sachsen-Anhalt)

2. Neumark (heute in Polen)

3. Mittelmark (zwischen 1. und 2.)

4. Vormark (Prignitz)

5. Uckermark (manch einer zählt sie auch zur Mittelmark)

Die Mark 1320 – die Einteilung in „Nieder-“ und „Oberlausitz“ wurde erst ab dem 15. Jh. vorgenommen. Bis dahin wurde nur die spätere Niederlausitz als „Lausitz“ bezeichnet, die später Oberlausitz nicht
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:MarkBrandenburg.png (Wikipedia, von de: Benutzer: Captain Blood)

Heute noch in sprachlichem Gebrauch sind davon lediglich „Uckermark“ und „Mittelmark“, zur Prignitz sagt niemand mehr Vormark und Alt- sowie Neumark sind uns im Laufe der Geschichte abhandengekommen. Die Neumark 1945 und die Altmark schon 1815. Wobei die Altmark lediglich einer Gebietsreform zum Opfer fiel. Sie blieb unter der Herrschaft der preußischen Krone, bildete aber zusammen mit Gebieten des seit 1680 schon unter Brandenburger Hoheit stehenden Herzogtums Magdeburg und neu hinzu gekommenen Gebieten des königlichen Sachsens die neue Preußische Provinz Sachsen. Nach 1945 wurde aus ihr das Land Sachsen-Anhalt, bis es 1952 aufgelöst und 1990 wiedergeboren wurde.  Märker leben also heute auch noch in den beiden nördlichen Landkreisen Sachsen-Anhalts, sind seit 1815 aber keine Brandenburger (mehr).

1815 geschahen für Brandenburg gleich mehrere wichtige Änderungen. Auch wenn das Ende der Mark Brandenburg im Jahre 1806 ein Ergebnis der Niederlage gegen Napoleon war, wurde die Mark – genauso wie das Heilige Römische Reich – 1815, nachdem sich das Blatt gewendet hatte, nicht wieder ins Leben gerufen. Die preußischen Reformen waren im vollen Gange und Preußen wurde erstmals in Provinzen gegliedert. 1815 war das Jahr in dem nach dem endgültigen Sieg über Napoleon ganz Europa auf dem Wiener Kongress (1814/15) neu verhandelt und aufgeteilt wurde.  Sachsen, ein ursprünglicher Parteigänger Napoleons, verlor dabei  fast 60 Prozent  seiner Gebiete mit 40% der sächsischen Bevölkerung und mußte diese an Preußen abtreten. Ein Teil ging, wie eben geschildert, an die neue Preußische Provinz Sachsen ein kleinerer Teil wurde der Preußischen Provinz Schlesien zugeschlagen und ein Großteil der neuen Preußischen Provinz Brandenburg. Die ehemals sächsischen Gebiete waren nun also brandenburgisch und grenzten an die Alt-Brandenburger Neumark und die Mittelmark, waren aber selbst eben nicht Teil der alten Mark Brandenburg.

Die Mittelmark ist eine Region, die uns heute allzu gern einen gedanklichen Streich spielt. Gerade in der Presse ist oft von einer Verortung „Mittelmark“ oder von „mittelmärkischen Gemeinden“ zu lesen, wenn Geschehnisse im Landkreis Potsdam-Mittelmark beschrieben werden sollen. Das ist ebenso falsch wie es auch leicht nachvollziehbar ist.  Hier die Erklärung für den nachvollziehbaren Fehler:

Potsdam-Mittelmark entstand 1993, neben anderen Gebieten, hauptsächlich aus den 3 DDR-Kreisen Belzig, Potsdam-Land und Brandenburg-Land. Der Name des Landkreises „Potsdam-Mittelmark“ bedeutet nicht „bei Potsdam UND die Mittelmark“, so scheinen es viele Menschen und Journalisten fälschlicherweise zu verstehen, sondern eher eigentlich „Potsdamer Umland IN der Mittelmark“. Leider berücksichtigt der gewählte Landkreisname dadurch nicht den ganzen Landkreis. Der komplette Süden des Kreises gehörte bis 1815 größtenteils zu Sachsen und dort zum Amt Belzig und liegt somit nicht in der Mittelmark. Von 1815/17-1952 hieß das was wir heute als Potsdam-Mittelmark kennen (mit der einen oder anderen Gebietskorrektur zu verschiedenen Zeiten) „Landkreis Zauch-Belzig“: wobei „Belzig“ für das ehemals sächsische Amt steht und “Zauch“ für den bis dahin als Zaucheschen Kreis bezeichneten Landstrich in Brandenburg. Und die Zauche liegt in der Mittelmark, stellt aber nur deren südwestlichsten Zipfel dar. Das Havelland, nördlich der Zauche liegt auch in der Mittelmark. Östlich der Zauche liegt der Teltow (der Norden-Teltow-Flämings) auch der einst ein mittelmärkischer Kreis. Und auch der Norden des  Landkreises Dahme-Spree, früher  zum Teil zum Kreis Teltow gehörig, liegt in der Mittelmark. Im Grunde ist die Mittelmark das gesamte Gebiet zwischen Sachsen-Anhalt und der Oder. Im Norden wird die Mittelmark durch die Vormark (Prignitz, heute im Landkreis  Prignitz und Teile v. Ostprignitz-Ruppin) und die Uckermark begrenzt. Die südliche Grenze der Mittelmark zieht sich quer durch ganz Brandenburg entlang der bis 1815 sächsischen Gebiete. Nauen, Oranienburg, Erkner sind Orte der Mittelmark wohingegen Belzig z.B. nicht in der Mittelmark liegt, obwohl der Landkreisname in täuschender Weise das Gegenteil behauptet.


Fazit:

Mit „Märker“ oder „in der Mark“ werden heute zwar oft alle Brandenburger und ganz Brandenburg beschrieben, eigentlich leben aber nur die Brandenburger nördlich der bis 1815 sächsischen Gebiete in der Mark und sind Märker. Wohingegen auch einige Sachsen-Anhaltiner und die Bewohner der größten märkischen Stadt, Berlin, zwar auch Märker aber eben keine Brandenburger sind.

Historisch durchaus ableitbar wäre aber, die südlich der Mark liegenden Gebiete Brandenburgs als „Lausitz“ zu bezeichnen. Auch wenn dieser Begriff heute ein deutlich enger gezeichnetes Gebiet umfasst als die historische Lausitz, die zeitweise auch als Mark Lausitz in Erscheinung trat. So wird es beispielsweise dem heutigen Baruther kaum bewußt sein, daß auch Baruth und große Teile des Flämings einst ein Teil der Lausitz war.

Wenn man heute also Geschehnisse in Brandenburg beschreiben möchte, so ist „in der Mark“, wie dargestellt eigentlich falsch; „Mark und Lausitz“ aber schon ziemlich dicht an einer optimalen Ansprache. Der Franke in Bayern  kennt das; wobei ja hier noch das Problem besteht, daß der Landesname sich nur an einer Gruppe, den Bayern, orientiert und die Franken außen vor läßt. Brandenburg hingegen ist heute das Land von Mark und Lausitz, da sollte es keine Streitigkeiten geben.

Die Mark Brandenburg 1648
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Straßennetz_und_Städte_Mark_Brandenburg_1648.png (Wikipedia)

Zwölf Kaiser, einer nackt – kein mutiges Mädchen weit und breit

Brandenburg wird touristisch nicht nach Landkreisen, sondern über Reiseregionen vermarktet. Das ist in der Regel ein guter Ansatz und in 11 von 12 Fällen hat sich auch ein ordentlicher Name für die zu vermarktende Region finden lassen; nur für eine nicht, für unsere…

Ach zwei Herzen schlagen in meiner Brust, was die Reiseregion angeht, unter der auch der Teltow vermarktet wird. Sie wurde „Fläming“ genannt. Zum einen freue ich mich zwar darüber, daß Anstrengungen unternommen werden, eine so bezeichnete Region touristisch zu vermarkten. Zum anderen hadere ich schon seit Jahren mit der Bezeichnung meiner Reiseregion und den vermutlich daraus folgenden Fehlern in der inhaltlichen Darstellung. Ehrlich gesagt hadere ich nicht damit, ich ärgere mich darüber.

Der Teil der „Reiseregion Fläming“ der in Brandenburg liegt (die Region erstreckt sich ja bis nach Sachsen-Anhalt) umfaßt eigentlich 3 Regionen, die es allesamt verdient hätten dem Namen nach und inhaltlich gleich gewichtet Berücksichtigung zu finden.

Zum einen, ja sicherlich, der Fläming. Dieser kam 1815 zu Brandenburg, ist also streng genommen nicht mal märkisch, und war bis zu dieser Zeit sächsisch oder magdeburgisch oder abwechselnd mal so, dann wieder so. Ein sehr schöner, historisch und kulturell reicher Landstrich, den es zu bereisen definitiv lohnt.

Gebiet der Reiseregion „Fläming“

Für die Entstehungsgeschichte Brandenburgs deutlich bedeutender sind zum anderen aber zwei Kulturlandschaften, die in der als „Fläming“ bezeichneten Reiseregion liegen, im Marketing der Region in der Regel aber mit keinem Sterbenswörtchen erwähnt werden; und man möchte daher ableiten und unterstellen, den Verantwortlichen auch nicht bekannt oder zumindest einer Erwähnung nicht wert zu sein scheinen: die Zauche und der Teltow.

Die Zauche ist im Grunde der nördliche Teil des Kreises Potsdam-Mittelmark südlich der Havel und ihrer Seen und gehört neben der Altmark (grob die beiden nördlichen Kreise Sachsen-Anhalts) und dem Havelland (nördlich der Havel(seen)) quasi zum Kreißsaal der Brandenburgwerdung. Ein Teil der Zauche (z.B. Werder (Havel) oder Caputh) wird jedoch unter „Havelland“ vermarktet. Da dieser Teil zwar nicht im historischen Havelland aber geografisch definitiv im Land der Havel liegt, ist das vielleicht noch zu verschmerzen. Östlich der Zauche, zwischen Nuthe und Dahme liegt der Teltow, unsere historisch nicht minder bedeutende Kulturlandschaft, vielleicht der Wickeltisch Brandenburgs. Zu allem Überfluß ist diese Kulturlandschaft in der Vermarktung auch noch geteilt. Der östliche Teil des Teltow wird unter dem Label „Dahme-Seenland“ vermarktet (geografisch mag das passen), der westliche als „Fläming“ (definitiv falsch). Und so wird das Ganze auch einen Anteil daran haben, daß z.B. beim Teltower Rübchen und dem Teltowkanal quer durch moderne Publikationen der falsche Eindruck gepflegt wird, daß beide ihren Namen der Stadt Teltow zu verdanken hätten. Aber trotz vielfacher Wiederholung bleibt das nun mal falsch.

Der Kanal hat seinen Namen daher, daß er seinerzeit den gesamten (Kreis) Teltow durchschnitt. Und auch das Teltower Rübchen hat seinen Namen nicht von der Stadt sondern von der Landschaft. Heute mag es dankenswerterweise noch zwei aufrechte Rübchenbauern im Dunstkreis der Stadt Teltow geben. Das Teltower Rübchen an sich ist aber für den ganzen Teltow belegt. So gibt es Aufzeichnungen aus dem 19. Jahrhundert, die für den ganzen Teltow den Anbau des Rübchens bezeugen, z.B. auch für Mittenwalde, wie erwähnt, eine Stadt der Kulturlandschaft Teltow die aber unter „Dahme-Seenland“ vermarktet wird. Und man wird nicht ausschließen können, daß der eine oder andere jüngere Landwirt durch die derzeitige Praxis auch um die zündende Idee gebracht wird, das Teltower Rübchen auch selbst anzubauen, weil er das fälschlicherweise für ein Privileg der Landwirte der Stadt Teltow hält.

Also, anders als z.B. die Webseite der Reiseregion behauptet, beginnt der Fläming eben nicht an der Südgrenze Berlins. Dort liegt zunächst einmal der Teltow, westlich von ihm die Zauche und südlich von beiden Regionen beginnt erst der Fläming. Es spricht letzten Endes überhaupt nichts dagegen, drei bedeutende Kulturlandschaften gemeinsam zu vermarkten aber sie sollten dann auch in der Kommunikation in Erscheinung treten. Das würde den Regionen gerecht und auch einem Bildungsanspruch.

Bitter wird das Ganze, wenn man feststellt, daß von allen 12 Reiseregionen Brandenburgs es tatsächlich nur unsere ist, für die kein passender Name gefunden wurde. Alle anderen folgen entweder einer zutreffend geografischen oder einer historischen/kulturlandschaftlichen Nomenklatur, die ebenfalls tatsächlich zutrifft:

Die Reiseregionen:

1. Barnimer Land – dies ist geologisch, historisch und kulturlandschaftlich die „Schwesterregion“ des Teltow und wird einheitlich vermarktet. Historische Realität, Identifikationsmöglichkeit und Vermarktungsgegenstand befinden sich in weitgehender Deckung. Zwar war der historische Barnim etwas größer, aber alles, was heute unter „Barnim“ vermarktet wird ist auch Barnim. Bei uns ist das, wie hier behauptet und bezeugt, nicht so.

2. Dahme-Seenland – auch hier gibt es „unser“ Problem nicht. Das Gebiet liegt weitestgehend im Norden eines einzigen Landkreises und die Dachmarke ist frei von Bezügen zu einer tatsächlichen, historischen Region. Der Name bezieht sich auf Gewässer. Wobei ein Großteil dieser Reiseregion im Westen aus dem Osten des historischen Kreises/der historischen Kulturlandschaft Teltow besteht.

3. Elbe-Elster-Land – auch hier im Grunde nur ein Landkreis (wobei hier durchaus amüsant ist, daß z.B. die Förderanlage F-60 gern vom Elbe-Elster-Land und vom Lausitzer Seenland beansprucht wird)

4. Havelland – streng genommen gehören zwar nur die nördlich der Havel(seen) gelegenen Teile Potsdam-Mittelmarks zum historischen Havelland, die südlichen zur Zauche. Aber hier scheint es nicht ganz so problematisch wie bei unserer Reiseregion, da Bezugspunkt der Dachmarke eben nicht (nur) eine gleichnamige historische Region (Havelland als Kulturlandschaft) sondern eine klar erkennbare Gewässerlandschaft zu sein scheint. Funfact: Brandenburgs Altstadt, als Ort nördlich der Havel somit im historischen Havelland, war Hauptort desselben; gleichzeitig war Brandenburgs südlich der Havel gelegene Neustadt eine Zeit lang der Hauptort der Zauche.

5. Lausitzer Seenland – hier spricht man eingrenzend selbst davon, daß man sich lediglich im „Herzen der Lausitz“ befindet. Damit ist die Sache auch unproblematisch. Historisch wären auch einige Abschnitte des Flämings ein Teil der Lausitz, aber eben nicht in ihrem Herzen. Daß man nicht gesondert zwischen Ober- und Niederlausitz unterscheidet, wird man auch als Geschichtsfreund verschmerzen können, da mit dem Verweis auf die Seenlandschaft im Markennamen klargestellt wird, worauf man sich bezieht und somit auch hier keine Dissonanz zwischen Region und Marke entsteht.

6. Potsdam – als Landeshauptstadt selbsterklärend und vollkommen unproblematisch (auch wenn das heutige Stadtgebiet sich über 3 historische Regionen erstreckt; Havelland, Zauche, Teltow – da sind sie wieder die 3 der 4 „Gründungsmitglieder“ Brandenburgs)

7. Prignitz – auch hier gibt es keine kognitiven Probleme, sie umfaßt im Grunde fast komplett die auch als „Vormark“ bekannte historische Prignitz, eben auch deshalb, weil sie dafür Kreisgrenzen überschreitet. Der Prignitzer lebt heute nunmal sowohl in PR als auch in OPR und kann sich auch dank seiner Reiseregion als solcher fühlen

8. Ruppiner Seenland – auch hier deckt sich das Markengebiet annähernd mir der historischen landschaft „Ruppiner Land“ mit der „Herrschaft Ruppin“ und dem spätern Altkreis Ruppin (bis 1952). Heute also Teile von OPR und OHV.

9. Seenland-Oder-Spree – hier besteht der Kniff ebenfalls darin, daß man sich nicht auf eine historische Landschaft bezieht, sondern auf eine Eingrenzung zwischen zwei Flüssen und dem, was dazwischen als prägend herausgestellt werden kann; die Seen.

10. Spreewald – hier bedarf es sicher keiner Anmerkung, selbsterklärend und klar umreißbar

11. Uckermark – und auch die Uckermark hat es als deckungsgleiche, historische Region ohne weiteren Erklärungsbedarf recht einfach.

12. Da bleibt also noch unsere Region…

Die 11 zuvor genannten Regionen berücksichtigen entweder historienfreie, geografische Bezüge im Markennamen (insgesamt 7: Spreewald, Seenland-Oder-Spree, Potsdam, Lausitzer Seenland, Havelland (vielleicht ein Hybrid), Elbe-Elster-Land, Dahme-Seenland) oder sind mit historischen Regionen grob in Deckung zu bringen (insgesamt 4: Uckermark, Ruppiner Seenland, Prignitz, Barnimer Land). Nur unsere Reiseregion schlägt aus der Art; und das nicht mal charmant, sondern einfach nur falsch.

Aber wie unsere Region nennen? Der Ist-Stand, 3 historische Landschaften nur mit dem Namen einer dieser Landschaften zu bedenken, ist Gegenstand dieser Kritik. Wir wären vielleicht „Brandenburg-Mitte-West“ (BMW 😉 ), das wäre irgendwie zwar nicht falsch, schert aber irgendwie auch wieder aus dem Schema der anderen Reiseregionen (Historie oder Geografie) aus. Da also ein schlagworttauglicher geografischer Bezug nicht möglich scheint, wäre eine Bezeichnung à la ZTF (Zauche-Teltow-Fläming) oder, um Verwechslungen mit dem Landkreis TF oder einem Fernsehsender vorzubeugen, vielleicht „Fläming-Zauche-Teltow“ zumindest eine Wahl, die in das Schema der Namensfindung der anderen Regionen paßt, nur daß hier eben nicht eine, sondern 3 historische Namenspatrone auf den Plan treten. Der aktuelle Name paßt jedenfalls nicht zum Programm, dominiert aber – so wie bei den anderen Regionen auch (nur das es dort unproblematisch ist) die Kommunikation. Unser Kind hat bisher den falschen Namen, bzw. bräuchte eigentlich drei und keine Scheu, diese auch zu verwenden.

Im jüngst erschienenen, thematisch und optisch wirklich gelungenen Reiseplaner für die Reiseregion tauchen weder Zauche noch Teltow als Kulturlandschaft auf.

Das Wort „Zauche“ erscheint im Ganzen Heft 3 Mal; und zwar im Rahmen eines Eintrages zu einem Gasthaus mit dem Namen „Landhaus Märkische Zauche“, welches zu allem Überfluß nicht mal in der Märkischen Zauche liegt, sondern im ehemals sächsischen Amt Belzig, also mitten im Fläming. Das Wort „Teltow“ findet man 22 Mal aber immer nur als Bezeichnung für die Stadt – mit dieser Konnotation auch bei Rübe und Kanal –  oder als Teil der Kreisbezeichnung „Teltow-Fläming“. Es ist sonst immer nur vom Fläming die Rede….. und das ist, wie dargestellt, wirklich falsch.

Die derzeitige Praxis nimmt uns auch die Möglichkeit, historische „Steilvorlagen“ zur Vermarktung zu nutzen, verhindert eine gewisse Schlüssigkeit und läßt die „Reiseregion“ immer besonders erklärungsbedürftig bleiben, da Sie sich dem Interessierten weniger von allein erschließt als andere Reiseregionen.

Entstehung und Zuschnitt der Brandenburger Reiseregionen geschah am Verhandlungstisch – gut, man mußte sich ja auch abstimmen. Daß die Betrachtung der Landkreise hierbei vernachlässigt wurde, ist nicht weiter tragisch, da diese nach der Wende frei von historischen Bezügen, dem Sektoralkreisgedanken folgend, gegründet worden sind. Die alten Kreise Brandenburgs (also bis 1952) folgten dagegen recht deutlich auch grob den historischen Kulturlandschaften, wie sie zumindest im märkischen Teil Brandenburgs schon im Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375 in Erscheinung traten und die Vermarktung der Region gerade für Geschichtsfreunde interessant und leichter kommunizierbar machen würde.

Schauen wir uns in Brandenburg oder bundesweit die Destinationen an, die auf die „Zielgruppe(n)“ mit einem klaren Bild wirken, so drängt sich der Verdacht auf, daß das jene Ziele sind, die auch bei den Einheimischen für eine starke Identifikation sorgen. Das Eine ist die Imagebildung nach außen, das Andere – ebenso wichtig – die Bewußtseinsbildung nach innen. Bei einer Reiseregion, die weder geografischen noch historischen Grundsätzen zu folgen scheint, also gekünstelten Zuschnitts ist und die diesem Makel nicht selbst durch eine angebrachte Unterteilung begegnet, ist das halt deutlich komplizierter. „Willkommen im Spessart“, „Willkommen in der Eifel“, „Willkommen im Spreewald“, „Willkommen in der Uckermark“ ist nun mal weniger Erklärungsbedürftig als „Willkommen im Fläming, (na gut, wir sind nicht wirklich der Fläming, so wie das, was Sie als mit der Entstehungsgeschichte Brandenburgs etwas vertrauter Mensch vielleicht verstehen mögen, aber wir werden trotzdem darunter vermarktet… )“

Da hat es der Spreewälder oder der Uckermärker auch deutlich leichter als jemand aus unserer Reiseregion. Man sollte sich mit seiner (Reise-)Region identifizieren (können), um eine Atmosphäre zu schaffen in der sowohl die Arbeit der Anbieter als auch der Vermarkter besser fruchten kann.

Die Perspektive des Gastes wird auch durch den Vermarkter geprägt. Wichtig ist aber ebenso, daß diese sich auch in der Selbstwahrnehmung des Gastgebers spiegelt. Der Zuschnitt, der zu vermarktenden Reiseregion ist auch grundsätzlich kein Problem. Lediglich ihr Name und daß unter diesem eben auch Sachen vermarktet werden, die nichts mit dem Fläming zu tun haben und daher ein falsches Bild entsteht, ist ein leicht vermeidbarer Mangel. Kurz: Tourismus funktioniert da besonders gut, wo Identifikations- und Vermarktungsgebiet annähernd in Deckung liegen. Teltow, Zauche und Fläming gemeinsam zu vermarkten halte ich für möglich, es geht nur darum, daß zwei von drei Regionen in der Kommunikation leider keinen Widerhall finden, da dies durch den gewählten Namen der Dachmarke weiteren Erklärungsbedarf auf den Plan rufen würde. Eine vertane Chance auch für die historische Vermarktung der Regionen.

Wo wäre das Problem, wenn man gerade von einer Destination in der Zauche, dem Teltow oder eben dem Fläming spricht? Und auch sonst, wäre die Angelegenheit nicht mal für Schlagworte zu sperrig. „Raus in Fläming, Teltow und Zauche!“ funktioniert genau so gut  wie „Raus in den Fläming!“ Nur daß ersteres zum einen korrekt wäre und zum anderen noch zwei weitere Schlagworte für das Wecken eines Interesses beinhaltet. Unkomplizert und keiner weiteren Erklärung bedürftig wäre das aber nur, wenn die gesamte Vermarktungsregion einen passenderen Namen hätte. Derzeit hat man nur Möglichkeit, sich zwischen zwei Fehlern zu entscheiden. Entweder „Zauche“ und „Teltow“ auch unter „Fläming“ zu vermarkten oder es wie vorgeschlagen zu tun und dadurch permanent den Dachmarkennamen erklären zu müssen. Und wenn man sich für die Dreierkombination partout nicht erwärmen möchte, weil sie einem doch zu sperrig erscheint, so kann man sich als Kompromiß vielleicht mit einem „Fläming+“ anfreunden, bei dem das Plus dann eben für Zauche und Teltow steht und beide Regionen endlich auch in der Kommunikation, in Texten und Berichten, namentlich würdige Berücksichtigung finden.

Mit „Reiseregion Fläming“ muß man eine Marke transportieren, für die es im Bewußtsein der Bevölkerung keine stringent greifbare Entsprechung gibt. Während Uckermark und Spreewald beispielsweise nur eine klare Markenbotschaft eines auch für die Einheimischen klar greifbaren Gebietes unter einer Dachmarke transportieren müssen, haben wir eigentlich die undankbare Aufgabe, nicht nur dem Touristen, sondern auch den Einheimischen klar zumachen, worüber man eigentlich redet. Er – der Einheimische – kennt das ja nicht, ist ja nur ein Konzept ohne Entsprechung in der Realität – zumindest dann, wenn man sich im Teltow oder in der Zauche befindet. Eine korrekte Information zur Kulturlandschaft in der man sich als Gast gerade aufhält darf aber schon erwartet werden.

Wie auch immer, schauen Sie mal vorbei, in Fläming, Teltow und Zauche! https://www.reiseregion-flaeming.de

Der eigentliche Fläming
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Flaeming.png (Wikipedia)